
ABGRENZUNG ZWISCHEN
Alternativmedizin vs. Komplementärmedizin
Angesichts der Tatsache, dass eine Vielzahl alternativer Behandlungsmethoden keiner wissenschaftlichen Basis zu Grunde liegen, herrscht teilweise eine große Diskrepanz in der Akzeptanz einiger dieser Therapiemethoden.
Dazu zählen häufig die Behandlungsmethoden der Alternativ- und Komplementärmedizin, die nicht zum Studienplan des klassischen gegenwärtigen Studiums der Schulmedizin gehören.
Aber sind klinische Studien als eine verlässliche Evidenz immer ausreichend?
Als Alternativmedizin versteht man Behandlungsmethoden und diagnostische Konzepte, die sich als Alternative zu wissenschaftlich begründeten Behandlungsmethoden der Komplementärmedizin verstehen, wie sie in der klassischen Medizin gelehrt werden.
Dazu zählen Naturheilverfahren, wie Homöopathie, Osteopathie und Akkupunktur.
Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz favorisiert für Alternativmedizin den Begriff der Komplementärmedizin, um zu signalisieren, dass die Methode nicht als Alternative zur Schulmedizin angesehen werden soll.
Komplementär beschreibt "das andere ergänzend" - im übertragenen Sinne sprechen wir bei der Komplementärmedizin also von einer ergänzenden Medizin.
Ein häufig diskutiertes Thema ist die Verständigung und Abgrenzung alternativer Medizin zur Komplementärmedizin.
Komplementärmediziner betrachten Gesundheit nicht in erster Linie als Abwesenheit von Krankheiten. Entscheidend an dieser Stelle ist das ergänzende Verhalten zur Schulmedizin: Maßnahmen, wie beispielsweise die Mikroimmuntherapie, werden begleitend – zusätzlich- zu schulmedizinischen Behandlungstherapien eingesetzt um die klassischen medizinischen Erfolge zu unterstützen ohne sie dabei zu ersetzen.
Alternativmedizin hingegen beruht darauf schulmedizinische Behandlungen und Therapien zu ersetzen.
Spannend: in unserem Sozialgesetzbuch (§ 70 Abs 1) ist dazu folgendes formuliert: "Die Krankenkassen und die Leistungserbringer haben eine bedarfsgerechte und gleichmäßige, dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende Versorgung der Versicherten zu gewährleisten. Die Versorgung der Versicherten muss ausreichend und zweckmäßig sein, darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten und muss in der fachlich gebotenen Qualität sowie wirtschaftlich erbracht werden."
Ein entscheidender Denkanstoß: ein Aspekt der Alternativ- oder Komplementärmedizin lautet: Gesunderhaltung. Dieser Grundsatz ist keinesfalls ein charakteristisches Merkmal der alternativen Medizin, da dieser Aspekt auch in der schulmedizinischen Behandlungswelt wesentlich ist.
Der Unterschied zur Schulmedizin: verfolgt wird ein krankheits- oder auch symptomorientierter Ansatz, wobei in den meisten Fällen Faktoren für die Ursache der Erkrankung isoliert betrachtet werden.
Was fehlt? Die Individualität! Die gleiche Diagnose, aber verschiedene Ursachen und Auslöser für Erkrankungen, die seitens der Krankenkassen nahezu vollständig außer Acht gelassen wird.
Behandelt wird das Symptom, die Ursache scheint für viele keinerlei Relevanz zu haben. Mit fatalen Folgen: Studien deuten daraufhin
Krankenkassen sind auf Krankheit ausgerichtet!
Aber sollte dabei nicht die Vorsorge eine viel wichtigere Rolle einnehmen?

Warum wird die Komplementärmedizin von Ärzten selten ergänzend zu Behandlungen genutzt?
Es fehlt die Zeit! In Zeiten von Ärztemangel, Pflegenotstand und finanziellen Herausforderungen ist die Betrachtung in einem laufenden Praxisbetrieb schlichtweg unmöglich - und das obwohl die Ursache für ausbrechende Krankheiten und Beschwerden von höchster Bedeutung ist.
Und obwohl das Bewusstsein dafür durchaus da ist, werden bei Beschwerden weiterhin die Symptome behandelt ohne die Auslöser zu kennen.
Die Folgen: Nebenwirkungen von Medikamenten mit verheerenden Ergebnissen!
Eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK ergab, dass mehr als jeder zweite ältere Mensch in Deutschland mindestens einmal ein falsches Medikament verordnet bekommen hat, welches zu unerwünschten Wechsel- und Nebenwirkungen geführt hat. Grundlage der Studie sind die verordneten Medikamente der sogenannten Priscus-2.0-Liste von potenziell ungeeigneten Arzneimitteln. Dabei wurden 43% aller gesetzlich krankenversicherten Deutschen über 64 Jahre mit mehr als fünf Wirkstoffen gleichzeitig behandelt.
Hinzu kommt, dass nicht einmal die Hälfte der in klinischen Studien dokumentierten Nebenwirkungen von neuen Medikamenten publiziert wird – dabei geht es um ernsthafte Nebenwirkungen. So analysierte die unabhängige Institution Cochrane-Organisation, die sich für die Veröffentlichung aller medizinischen Untersuchungsergebnisse einsetzt, beispielsweise die Veröffentlichung von Nebenwirkungen eines Antidepressivums. Einer der Studienteilnehmer versuchte sich umzubringen und wurde daraufhin einfach aus der Studie ausgeschlossen.
Das Problem: Klinische Studien konzentrieren sich auf die Wirkung der getesteten Substanzen – die Nebenwirkungen finden keine Beachtung.
Der Fehler: unser System. Pharmaunternehmen sind profitorientierte Unternehmen, die ihre eigenen Produkte testen dürfen. In keinem anderen Wirtschaftszweig ist dies praktikabel. Ein Paradoxon, welches dringend ein Umdenken und Neuhandeln fordert.

"ONE_SIZE_FITS_ALL"?
Es fehlt an Individualität, wonach häufig ein allgemeines Prinzip bei der Verschreibung von Medikamenten zu gelten scheint.
Gemäß dem Motto nach Einheitsgrößen für Medikamente wird häufig von individuellen Einnahmeempfehlungen und einer vorangehenden Ursachenforschung abgesehen - mit unerwünschten Wechsel- und Nebenwirkungen.



